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Das soziale Netz: Leben im Internet

 

In unserer Veranstaltungsreihe „Das soziale Netz: Leben im Internet“ wurden die sozialen Funktionen des  Internets von sehr unterschiedlichen Organisationen und Initiativen hinterfragt.

 

Wenn eine Million Menschen unterschiedlicher Nation, Sprache und Religion in kürzester Zeit und fast lautlos einwandern können in ein fremdes Land, dann ist das auch einem kleinen Apparat zu verdanken: Dem Internet-Handy, das weltweit dabei ist, die Kontrolle über viele soziale Funktionen zu übernehmen. Es hat begonnen den Menschen zu verändern, sein Gedächtnis, sein Denken, die alltäglichen Routinen. Es teilt die Gesellschaft in Drin und Nichtdrin, in Verteufeler und User, in Abhängige und Abgehängte.

 

Höchste Zeit für einen kritischen Zwischenstand.

 

Startschuß lieferte Anfang Dezember 2015 eine kritischen Veranstaltung: "Wie sozial ist Facebook?". Soziale Netzwerke sind mächtige Parallelwelten geworden. Sie erleichtern Kontakt, Austausch und gefühlte Nähe. Sind sie die notwendige Antwort auf eine unübersichtlich gewordene Welt? Oder sind es Rattenfänger-Systeme globaler Kapitalgesellschaften? Oder beides? Wie verändern Facebook und Co. das Sozialverhalten in der Welt von heute und morgen?  Kurzweilig und sehr fundiert referierte der Flensburger Medienwissenschaftler Stephan Münte-Gousar vor weit über 100 Besuchern.

 

In einer zweiten Veranstaltung Anfang Januar sprach Anne Haage von der FH Dortmund über „das Mittendrin-Netz“, also über die technischen Erleichterungen, die das Internet anbietet für Menschen mit sinnlichen und geistigen Behinderungen. Soziale Medien erleichtern das Dabei-Sein. Aber hilft das? Was bringen Barrierefreiheit, leichte Sprache oder technische Assistenten für die, die endlich auch mittendrin sein möchten?  

 

Soziale Bewegung hat durch die Schnelligkeit und die Offenheit des Internets eine ganz neue Dimension bekommen. Ist dieses Click-Engagement beliebig und heiße Luft? Oder ist es eine Chance für mehr Demokratie und Verbraucherschutz? Unter der Überschrift: "Zwischen Shit Storm und Flash Mob: soziale Bewegung im Internet" referierte Professor Sigrid Baringhorst von der Universität Siegen im Februar.

 

Und auch im März hatten wir eine eine sehr spannende Veranstaltung: „Hilft das Internet gegen Bürgerfrust?“ hieß das Impulsreferat von Stephan Wenzel aus Berlin. Stadtverwaltungen fordern mehr Bürger-Engagement und weniger Ansprüche. Die Bürger wünschen sich mehr Flexibilität und Kundenfreundlichkeit. Kann das Internet beide Seiten zusammenbringen?

 

Bei der Abschlussveranstaltung im April ging es um die soziale Stadt, die mehr und mehr Funktionen an das Internet verliert.  Während den historischen Marktplätzen die Disneylandisierung droht, sind die Market Places im Internet voller Leben. Hier wird getauscht, getratscht und kooperiert. Was zieht die Menschen dorthin? Was kann man vom Internet lernen? Welche neuen Funktionen können innerstädtische Plätze übernehmen? "Wofür braucht Lübeck noch einen Marktplatz, wenn doch alle im Netz shoppen?" fragte der Lübecker Hochschullehrer Frank Schwartze am 20.04.16.

 

Insgesamt war es eine höchst aufschlußreiche Veranstaltungsreihe, die über die Grenzen von Lübeck Beachtung fand und den Zuhörern die Möglichkeit gab, einige Facetten des Internets kennenzulernen, die sonst verborgen geblieben wären.

  

Initiiert wurde die Reihe von ePunkt in Kooperation mit dem Lübeck Management, dem MAH SH, der Vorwerker Diakonie, der VHS Lübeck und dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg.

 

Zur Vorbereitungsgruppe gehörten Peter Delius, Olivia Kempke, Kerstin Merk, Stine Nielandt, Hans-Uwe Rehse, Birgit Reichel, Frank Schwartze, Kerstin Weber-Spethmann und Christiane Wiebe. 

 

 

 

11.06.2014

 

Eine Veranstaltungsreihe zur "Nachbarschaft in Zeiten der Globalisierung"

 

Nachbarschaft bringt das Beste und das Schlechteste in uns hervor - berührende Gemeinschafts-Erlebnisse und absurde Maschendrahtzaun-Streitigkeiten. Kaum jemand weiß mehr über uns als die fremden Menschen von nebenan...

Eins ist sicher: In Zeiten der Globalisierung ist Nachbarschaft von größerer Bedeutung denn je - und das nicht nur zum Empfang von Amazon-Paketen. Die Stadt Lübeck mit ihren heimeligen, mittelalterlichen Häuschen verführt besonders dazu, von harmonischem Miteinander zu träumen. Hier gibt es überdurchschnittlich viele geplante Nachbarschaften. Aber wovon hängt es ab, ob sie gelingen? Ist gute Nachbarschaft planbar oder reines Glück?

 

Die Veranstaltungsreihe will Zeichen setzen, Ideen aufwirbeln, Initiativen stärken. Lübeck als soziale Stadt voranbringen. Und am Ende gibt es sogar einen Preis!

 

1. Veranstaltung:  18. Juni 2014, Vortrag in der Aegidienkirche "Die Sehnsucht nach der großen Familie - Warum Nachbarschaftsprojekte boomen und doch manchmal scheitern" von Dr. Peter Delius.

 

2. Veranstaltung: 27.8.2014, "Lübeck: Wohlfühlhauptstadt auch für Flüchtlinge? Nachbarschaft in der Zuwanderungsgesellschaft" mit Sven Schindler, Senator für Wirtschaft und Soziales

 

3. Veranstaltung: 8.10.2014, "Ist gute Nachbarschaft planbar?" mit Prof. Michael Wilkens, Kassel (Pressemitteilung)

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Prof. Wilkens (Kassel) bei seinem Vortrag im Hochschulstadtteil.

 

4. Veranstaltung: 12.11.2014, "Hudekamp - Ein Heimatfilm" Ein Film - von der Kritik preisgekrönt, von der Bewohnerschaft abgelehnt

 

5. Veranstaltung: 14.1.2015 - Impro-Show im Theater Combinale "Nachbarn und andere Menschen"

 

6. Veranstaltung: 25.2.2015 - Verleihung des 2. Lübecker Nachbarschaftspreises mit einem Vortrag von Prof. Hans Bertram zum Thema "Kleine Lebenswelten. Wie Kinder Nachbarschaft erleben" - Weitere Infos zum Nachbarschaftspreis hier

 

Alle Infos zu den Veranstaltungen finden Sie auch im Flyer zur Reihe (Download Flyer).

 

Organisiert und getragen wird die Vortragsreihe von einem sehr breiten Organisationsteam:

Der ePunkt in Kooperation mit Deutscher Mieterbund, Conplan, Grundstücksgesellschaft "Trave", Nachbarschaftsbüros, Haus & Grund Lübeck, VHS, Theater Combinale, ArchitekturForumLübeck, Lübeck Management, Kirchengemeinde St. Aegidien, Forum für Migrantinnen und Migranten in Lübeck.

 

 

01.10.2012

Eine Veranstaltungsreihe über die Zukunft von Arbeit

 

Arbeit ist mehr als Arbeit, Arbeit hält die Gesellschaft zusammen: Vor allem um die soziale Bedeutung von Arbeit als kooperative Struktur zwischen Menschen soll es bei dieser Veranstaltungsreihe gehen, die – vom ePunkt initiiert – durch ein breites Lübecker Interessenbündnis getragen wird.

Mehr als 6 Monate hat eine Arbeitsgruppe mit Susanna Basler-Jensen (Jobcenter Lübeck), Dr. Peter Delius (ePunkt), Holger Eggerichs (cloudsters), Dr. Nathalie Glaser-Möller (DRV Nord), Kathrin Rossberg (die Brücke), Andreas Sankewitz (DGB), Kerstin Weber-Spethmann (AK Freie Wohlfahrtsverbände) und Christiane Wiebe (VHS Lübeck) an Konzept und Organisation der Veranstaltungen gearbeitet.

 

Worum geht es im Einzelnen?

 

Zunächst geht es um die Vision zukünftiger Arbeitsformen. „Bringt die Zukunft Arbeit ohne Ende?“ heißt das Referat des Zukunftsforschers Erik Händeler, dem der Lübecker Autor Dr. Ulrich Renz  als kritischer Frager gegenübersteht. (1.11.12, 19.30 Uhr im Rathaus, Bürgerschaftssaal. Leitung: Jobcenter Lübeck)

 

Am 6.12.12 geht es um die Frage, ob Inklusion mehr Arbeitsqualität schafft – für alle und nicht nur für Menschen mit Handicaps und Behinderungen. Darüber wird Monika Labruier, Geschäftsführerin der Füngeling Router GmbH in Erftstadt,  sprechen und sich den Fragen der Karstadt- Behinderten-Beauftragten Petra Burger stellen.(19.30 Uhr, VHS Falkenplatz. Leitung: DRV Nord und Die Brücke)

 

Um Chancen von Bürgerengagement in armen Städten („Wer soll das alles machen?“) wird es bei der dritten Veranstaltung am 10.1.13 gehen, bei dem sich der ehemalige Leiter der Stadtentwicklung Essen, Klaus Wermker, und Lübecks Sozialsenator Sven Schindler gegenüberstehen.(19.30 Uhr VHS Hüxstraße, Leitung: ePunkt- das Lübecker Bürgerkraftwerk).

 

„Faule Haut und Hungerlohn“ ist der Titel der vierten Veranstaltung, bei der es zwischen Annelie Buntenbach (DGB Vorstand) und Christoph Andreas Leicht (Präses der IHK SH) um die umkämpfte Grenze zwischen Grundsicherung und Niedriglohn geht.(14.2.12, 19.30 Uhr VHS  Hüxstraße. Leitung: DGB)

 

Den Abschluss der Reihe bildet eine moderierte Diskussionsveranstaltung (Open Space Workshop), bei der Besucher der Reihe und weitere Interessenten persönliche Zukunftsvisionen zum Thema Arbeit entwickeln.(16.3.2013, 11.00-17.00 Uhr, cloudsters, Braunstraße. Leitung: cloudsters) 

 

Alle Veranstaltungen sind auf breite Beteiligung und Diskussion angelegt. Der Eintritt beträgt 3 Euro.

 

Flyer "Zukunft der Arbeit": Download

 

 

 

 

24.09.2012

 

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Rückblick und Ausblick:

 

Bürgerengagement fällt nicht vom Himmel.

Was hält die Gesellschaft zusammen?

 

Dass soziales, bürgerschaftliches Engagement nicht vom Himmel fällt, sondern erodiert und versickert, wenn es nicht gehegt und gefördert wird, war Gegenstand der ersten Veranstaltungsreihe (2010/11) von ePunkt – das Lübecker Bürgerkraftwerk e.V.. In einer zweiten Reihe (2011/12) sollte es um Bereiche gehen, in denen Engagement besonders wichtig ist, Bereiche, in denen es aber hakt. Die Steuerungsgruppe der Vortragsreihe kam zu dem Ergebnis, dass dies besonders zuträfe auf die Bereiche

 

1. Sport (Strukturwandel, Mangel an Nachwuchs)

2. Unternehmen (Aussterben der prosozialen Arbeiterkultur? Reduzierung von sozialem Engagement im Unternehmen zum Imagefaktor?)

3. Nachbarschaft (Vertrauenskrise durch Zunahme der Fluktuation im Quartier) und

4. Nachschulisches Engagement (Wegfall des Zivildienstes etc.)

 

Es waren insgesamt vier Veranstaltungen über einen Zeitraum von vier Monaten, die es in sich hatten:

 

Sterben Sportvereine aus?

Bei der ersten Veranstaltung war der Manager eines Großvereins (Jörg Schnitzerling vom ASC Göttingen) eingeladen, der die professionelle Führung eines Vereins als Grundlage für die Einwerbung von Ehreamtlichen postulierte, die Generation 20 - 40 als weitgehend verloren für soziales Engagement im Verein darstellte („haben zu viel mit Familie und Beruf zu tun“). Einigen konnte man sich in der sehr lebhaften Diskussion darauf, dass die enorme integrative Kraft von Sport-Engagement für eine demokratische Gesellschaft essentiell und alternativlos ist.

 

Soziales Engagement von Unternehmen

Bei der zweiten Veranstaltung saßen DGB und Wirtschaft mit der professionellen Berliner TV-Moderatorin Kerstin Plehwe zusammen auf dem Podium. Das Publikum lernte dabei vor allem, wie sehr die Förderung von sozialem Engagement in einem Unternehmens letztlich doch von der Geschichte des Unternehmens abhängt (Firma Bockholdt KG) und der Persönlichkeit einzelner Manager (Burkhard Baum von der Deutschen Bank).

 

Nachbarschaft

Bei der dritten Veranstaltung („Zusammen ist man weniger allein – verlässliche Nachbarschaft als Wohnkonzept der Zukunft“) war das Haus voll und Theresia Brechmann konnte mit ihrem lockeren Vortrag über das Bielefelder Modell („Das gibt es wirklich!“) nicht nur das Publikum begeistern, sondern – wie man hörte – auch eines der zahlreich anwesenden Wohnungsbauunternehmen für ein Nachahmungs-Projekt in Lübeck gewinnen. Kurz gesagt geht es bei dem Bielefelder Modell um die Schaffung von Verbindlichkeit und Vertrauen in Nachbarschaften durch die Gründung eines sog. Wohncafes, dass wiederum zur Versorgung einzelner schwerst Pflegebedürftiger installiert wird und damit als Basis für soziales Engagement im Haus dient. Alles zusammen ermutigt verlässliche, gegenseitige Hilfen.

 

Mögt Schüler-helfen-Leben!

Die vierte Veranstaltung war ein großer Kraftaufwand: Es ging um die Organisation einer zentralen  Veranstaltung für alle weiterführenden Schulen Lübecks, d. h. für alle Schüler/-innen des 11. Jahrgangs zum Thema „Soziales Engagement nach der Schule“. Trotz des Busstreiks fanden sich mehr als 350 Schüler/-innen von acht Schulen im Kolosseum ein. Lukas Meyer von Schüler-helfen-Leben e.V. machte mächtig Appetit auf das „Abenteuer Freiwilligendienst“ und wies gleichzeitig auf die umfangreiche Medien- und Kommunikationsarbeit der Organisation einschließlich Facebook hin („Mögt Schüler-helfen-Leben!“ echote der Schüler-Blog, der die Impulsreferate auf der Großleinwand begleitete).

Dr. Antje Demmert, eine junge Ärztin des UKSH, wies auf die Chance hin, sich in einer ganz anderen Rolle zu erleben, etwas, was bei Studium und Karriere selbstsicherer mache. Und Pluspunkte bei der Bewerbung gäbe es für ein Engagementjahr in der Regel auch, ergänzte Jasmin Maack, die Personalleiterin der Brüggen KG. Antworten gab es nicht nur auf das „Warum?“ , sondern auch auf das „Wo?“: Ergänzend stellten sich ein knappes Dutzend Organisationen stellten sich im Foyer des Kolosseums den SchülerInnen vor.

Alles prima? Keineswegs. Die Auswertung einer Umfrage bei den Schülern zeigte, dass soziales Engagement nach der Schule alles andere als ein Selbstgänger ist. Juleka Schulte-Ostermann, die Geschäftsführerin des ePunkt, sprach von einer „erheblichen Orientierungslücke“, besonders seit dem Wegfall des Zivildienstes.

 

 

Was folgt aus der Veranstaltungsreihe?

 

1. Durchschnittlich wurden die neun Veranstaltungen (2010–2012) von mehr als 100 Menschen besucht. Es gibt also einen Bedarf für Veranstaltungen rund um Bürgerschaftliches Engagement. „Mit Chance“ wird die kreative Arbeitsgruppe (zuletzt: Birgit Reichel, Kathrin Rossberg, Kerstin Weber-Spethmann, Manja Förster, Antje Peters-Hirt, Christiane Wiebe und Peter Delius) sich weitere Themen für das Winterhalbjahr 2012/13 vornehmen.

 

2. Besonders die Veranstaltung zum Thema „Soziales Engagement nach der Schule“ verdient eine Fortsetzung. Nur: Ehrenamtlich lässt sich eine professionelle Wiederholung nicht organisieren. Aber wenn 400 der am gründlichsten ausgebildeten Jugendlichen der Stadt – also mit das beste, was Lübeck der Welt zu bieten hat – zusammenkommen, um sich zu informieren, dann sollte sich vielleicht doch ein Sponsor finden ...

 

 

Kommentar

von Dr. Peter Delius, 1. Vorsitzender ePunkt

 

Sozialwissenschaftler nennen es Sozialkapital: Die Fähigkeit von Menschen, sich an Normen zu halten, sich füreinander zu engagieren und sich als Teil einer Gesellschaft zu verstehen. Sich nicht zu hassen, sich nicht auszugrenzen oder zu bekämpfen. Bürgerschaftliches Engagement ist dafür ein wichtiger Kitt, er hält die Gesellschaft zusammen. Das ist nicht nur für angstfreie Schulwege und Parkspaziergänge gut, sondern auch Grundlage für nachhaltige Investitionsentscheidungen. Welcher Investor will schon, dass seine Produktionsstätten zu Barrikaden werden? Im globalen Wettbewerb hat Europa – und Deutschland – und Lübeck – mit seinem Sozialkapital einen Schatz, der nur deswegen nicht mehr glänzt und strahlt, weil wir alle uns an seinen Glanz gewöhnt haben.

 

Aber: Bürgerengagement fällt nicht vom Himmel. Es ist vielmehr wie ein scheues Reh, dass schnell wieder im Zauberwald der guten Vorsätze verschwindet.

 

Mit viel ehrenamtlichem Engagement hat sich die Freiwilligenagentur ePunkt und darum ein Netzwerk von 40 Organisationen und 150 Einsatzstellen etabliert. Aber eine kommunale Förderung ist nicht in Sicht. Entgegen dem Rat aller lokalen Experten droht jetzt ein schleichendes Aus in der Warteschleife. Auch von den Parteien scheint sich kaum jemand für das Thema nachhaltig zu interessieren und das, obwohl eine „unabhängige Koordinierungsstelle Ehrenamt“ dringend für Lübeck notwendig wäre! Damit bleiben besonders die ganzen kleinen Vereine und Initiativen, die sich keine eigene Stabsstellen für Koordination und Werbung leisten können, ziemlich im Regen.

 

Lübeck ist nicht die die einzige Großstadt mit Haushaltsvorbehalt. Doch während fast alle (sic!) anderen Grossstädte Deutschlands den kommunalen Gewinn von gut organisiertem BürgerEngagement längst erkannt haben und eine konfessions- und trägerunabhängige Koordinationstelle fördern, macht sich in Lübeck Lähmung breit.

 

Merkt denn keiner, dass in Zeiten des Sparens sind nicht nur Blut-und-Tränen-Reden gefragt, sondern auch intelligente Schrumpfungsstrategien - und eine kluge und nachvollziehbare Einbeziehung der Bürger/innen? Die „Verlockung zu Bürgerengagement“ ist eine zentrale Aufgabe unserer kommunalen Gebietskörperschaften, davon bin ich fest überzeugt. Es gibt kaum etwas, das Integration, Teilhabe und Interesse am Gemeinwesen mehr stärkt als das freiwillige Engagement von Menschen für Menschen.

 

Saint-Exupery lässt seinen kleinen Prinzen sagen (sinngemäß): Wenn ein Schiff gebaut werden soll, darfst du die Männer nicht in den Wald abkommandieren, um Holz zu holen, sondern du musst sie begeistern für die Fahrt auf das große weite Meer.

Vielleicht kann mal jemand einen Bürgerschafts-Gruppenflug zum Planeten des kleinen Prinzen organisieren? (solange es von Lübeck aus noch geht) Ich käme mit. Wir könnten dort viel lernen und lustig wäre es sicher auch. Mal sehen, wer da so nebeneinander sitzen würde auf dem Rückflug.

 

 

Flyer "Bürgerengagement fällt nicht vom Himmel"

 

 

 

  

 

 

 

18.05.2011 

 

 

Rückblick und Ausblick Veranstaltungsreihe 2010/2011:

 

Was hält die Gesellschaft zusammen?

Soziales und bürgerschaftliches Engagment im 21. Jahrhundert

  

Von Oktober 2010 bis März 2011 wurde in der Veranstaltungsreihe des Lübecker Bürgerkraftwerks das Thema Bürger-Engagement unter unterschiedlichsten Aspekten diskutiert. Ziel war es, Startlinien für Engagement zu definieren:

 

-          Welche Strukturen braucht soziales Engagement?

-          Welche Rolle spielt die Nachbarschaft dabei?

-          Was braucht Zivilcourage?

-          Wie kann Geben und Nehmen von Dienstleistungen organisiert werden?

-          Kann soziales Engagement in sozialen Brennpunkten funktionieren?

-          Welche Rolle kann der Freiwilligendienst aller Generationen (FdaG) dabei spielen?

 

Für das Lübecker Bürgerkraftwerk war die Veranstaltungsreihe: „Engagiert in Lübeck!“- nur anderthalb Jahre nach der Vereinsgründung - die Feuertaufe:

 

Gelingt es, Menschen für eine Diskussion über soziales Miteinander, über Teilhabe, Integration und Bürgerengagement zu begeistern? Ist das nur gut und wichtig oder ist es auch ein spannendes Thema, zu dem man den schönen Film im Fernsehen auslässt und sich aufmacht in die Stadt? Das Fazit lautet: Die Feuertaufe wurde bestanden, die angestrebten Ziele erreicht!

 

Es zeigte sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe, dass es in Lübeck genug Menschen gibt, die sich mit dem Thema „sozialer Zusammenhalt“ und „Bürgerengagement“ auseinandersetzen wollen, selbst wenn es draußen schneit:

Die Veranstaltungsreihe war immer besser besucht, zuletzt waren es 250 TeilnehmerInnen, die zu dem Veranstaltungsort in die Reformierte Kirche kamen. Auch in der Presse fanden die Veranstaltungen immer mehr Resonanz. Aus der Reihung der Vorträge entstand zusätzliche Dynamik, so dass das Thema über mehrere Monate in der (Fach-) Öffentlichkeit lebendig blieb und aus dem Publikum viele Anfragen nach einer Fortsetzung der Vortragsreihe kamen. Diesem Wunsch wird der ePunkt 2011/2012 nachkommen. Der Fokus der neuen Veranstaltungsreihe wird auf konkrete Brennpunkte von Bürgerengagement gerichtet sein. Es wird hierbei um folgende Bereiche gehen:

 

-          Sport: Wie kann dem nachlassenden ehrenamtlichen Engagement in Sportvereinen begegnet

werden?

-          Arbeitswelt: Was bringt Soziales Engagement eines Unternehmen (Corporate Social Responsibilit)

für den Betrieb und die ArbeitnehmerInnen?

-          Nachbarschaft: Wie kann durch eine „verlässliche Nachbarschaft“ die trostlose Umsiedlung in ein

Altersheim verhindert werden?

-          Jugend: Welche Strukturen und Angebote sind erforderlich, um SchülerInnen in nachschulisches

soziales und bürgerschaftliches Engagement zu „locken“?

 

Dabei soll das bewährte Stilmittel der Ko-Respondenz (ein Lübecker Fachmann/frau stellt die „großen Ideen“ des externen Referenten durch vorbereitete Fragen auf die Füße) und die  aktivierende Pause zwischen Referat und Diskussion beibehalten werden.

 

 

II. Rückblick Veranstaltungsreihe 2010/2011 „Was hält die Gesellschaft zusammen?“

 

 

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Prof. Dr. Klaus

Dörner

 

Es begann im Oktober 2010 mit einer Veranstaltung zum Thema: „Wie kann soziales Engagement in Nachbarschaften organisiert werden?“ Referent war Prof. Klaus Dörner. Der profilierte Sozialpsychiater hat sich in den letzten Jahren gezielt dem Thema Nachbarschaft zugewandt. Hier sind seiner Meinung nach die größten sozialen Ressourcen für die Herausforderungen, die durch den demographischen Wandel auf uns zukommen. In der Diskussion mit dem Architekten und Mitgründer des Ägidienhofs (Lübeck), Rainer Steffens, wurde vor allem deutlich, wie vielschichtig sich nachbarschaftliches Engagement in Deutschland verwirklicht. Dörner sprach von mehr als 1000 Projekten, die er in den letzten Jahren kennen gelernt habe. Spontan entstand aus der Veranstaltung eine eigene Projektgruppe zum Thema: „Engagement in der Nachbarschaft“, unterstützt durch eine Spende des Lübecker-Bauvereins in Höhe von 1000 Euro.

 

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Bei der zweiten Veranstaltung im Dezember 2010 sprach Josef Martin aus Riedlingen, der Gründer der dortigen Seniorengenossenschaft zum Thema: „Zu geben hat jeder etwas - 20 Jahre Seniorengenossenschaft Riedlingen“.

Martin entpuppte sich als Schwabe, der im Laufe von 20 Jahren ein genau justiertes System gegenseitiger, bezahlbarer Hilfen aufgebaut hat. Es basiert in hohem Maße auf der Übersichtlichkeit und den Vertrauensstrukturen kleinerer Städte. Dort ist es in mehr als 40 Städten erfolgreich verbreitet und etabliert.

 

 

Hummel

Dr. Konrad Hummel

 

„Wie viel Hilfe braucht Hilfsbereitschaft? Soziales Engagement in der Ich-Gesellschaft“ war das Thema von Dr. Konrad Hummel im Januar 2011. Hummel, der lange Jahre Sozialreferent in Augsburg war und jetzt in Berlin Geschäftsführer einer großen Sozialorganisation ist, zeigte sich als Querdenker und Visionär, der deutlich machte, wie groß die Ressourcen bürgerschaftlichen Engagements in unserer Gesellschaft sind und mit wie wenigen Mitteln man diesen Schatz heben kann. Bürgerschaftliches Engagement sei eine Investition in die Zukunft einer Gesellschaft, führte er aus und forderte mehr Netzwerkdenken und weniger vorgegebene Komplettlösungen: “Um Engagement zu erzeugen, muss man nicht Wünsche erfüllen, sondern in den Menschen Sehnsucht wecken. Zum Beispiel die Sehnsucht nach einer vielfältigen, toleranten und lebendigen Stadt“, so Hummel.

 

Jonas

 

Mit dem in Amsterdam forschenden Sozialpsychologen Kai Jonas wurde es wissenschaftlich und zugleich sehr praktisch. Mit sehr konkreten Beispielen konnte Jonas vermitteln, dass Zivilcourage ein Prozess ist, der meist durch konkrete Verhaltensmodifikationen in der Regel im Vorfeld einer Gewalttat entschieden wird, durch Aufmerksamkeit, Deeskalation oder paradoxe Interventionen, wie z.B. einem potentiellen Täter nach dem Weg zu fragen und damit für das Opfer Zeit zu gewinnen oder sich neben einem Farbigen in der U-Bahn zu setzen und damit die Schwelle für potentielle Übergriffe zu erhöhen. Die Diskussion wurde durch ein ausführliches Statement des Lübecker Polizeichefs, Heiko Hüttmann, der als Respondent eingeladen war, fundiert. Spontan bildete sich auch hier nach der Veranstaltung eine Initiative, die ein „Zivilcourage-Training“ organisieren wollte.

 

Buschkowsky

Heinz Buschkowsky

Der fulminante Schluss der Veranstaltungsreihe 2011 wurde durch die Veranstaltung mit Heinz Buschkowsky, dem Bezirksbürgermeister von Neukölln, gebildet, der über das Thema: „Kann soziales Engagement die Gesellschaft wirklich zusammenhalten?“ sprechen sollte. Doch Buschkowsky sprach in seinem Vortrag fast nur über Bildung. Dennoch - der Zusammenhang zu seinem eigentlichen Thema war deutlich: Nur durch die mit Bildung verbundene Motivationserzeugung bzw. durch die Integration verschiedener Kinder in einer Schule, die eine Sprache sprechen, lassen sich soziale Gemeinschaftsstrukturen, eine „Kiez-Identität“, ein kollektives Verantwortungsgefühl und eine Identität für den Stadtteil erreichen. Sein Vorschlag, das Kindergeld zu halbieren („…alle Politiker scheinen anzunehmen, dass Eltern von dem Kindergeld eine Geige für ihre Kinder kaufen ....“, so Buschkowsky) und die so gewonnenen Mittel in Bildungs- und Früherziehungsmaßnahmen zu investieren, fand große Zustimmung.

 

 





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